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Kapanol®

Untersteht dem Bundesgesetz über die Betäubungsmittel und die psychotropen Stoffe

Zusammensetzung

Wirkstoffe

Morphini sulfas pentahydricus.

Hilfsstoffe

Sacchari spheri (aus gentechnisch verändertem Mais hergestellt); Ethylcellulosum (aus gentechnisch veränderter Baumwolle hergestellt); Excipiens pro capsula.

Darreichungsform und Wirkstoffmenge pro Einheit

Retardkapseln zu 20 mg, 50 mg bzw. 100 mg Morphini sulfas pentahydricus corresp. 15.04 mg, 37.6 mg bzw. 75.2 mg Morphinum.

Indikationen/Anwendungsmöglichkeiten

Kapanol Retardkapseln sind indiziert zur Behandlung von mittelstarken bis starken prolongierten Schmerzen bzw. bei ungenügender Wirksamkeit nicht opioider Analgetika und/oder schwacher Opioide.

Orale Substitutionsbehandlung bei Opioidabhängigkeit, im Rahmen einer medizinischen, sozialen und psychologischen Behandlung.

Dosierung/Anwendung

Art der Anwendung

Kapanol Retardkapseln sind unzerkaut mit Flüssigkeit einzunehmen. Die in den Kapseln enthaltenen Pellets sollten nicht gekaut, zerdrückt oder aufgelöst werden.

Die Einnahme von zerkauten oder zerbrochenen Retardkapseln kann zu einer schnelleren Freisetzung und Resorption einer potenziell toxischen Morphindosis führen.

Für Patienten mit Schluckbeschwerden können die in den Kapseln enthaltenen Pellets z.B. in eine kleine Menge Joghurt, Apfelmus oder Marmelade eingerührt oder mit wenig Wasser (ca. 30 ml) aufgeschlämmt werden. Diese Mischung sollte unmittelbar nach Zubereitung eingenommen werden. Die Pellets selber dürfen weder zerkaut noch zerdrückt werden. Um sicher zu sein, dass alle Pellets geschluckt worden sind, sollte der Mund sowie das Glas nach der Einnahme mit Wasser gespült werden.

Schmerzbehandlung

Übliche Dosierung

Die Dosierung von Kapanol muss der Stärke der Schmerzen und der individuellen Empfindlichkeit des Patienten angepasst werden, wobei ein Dosierungsintervall von 12 h nicht unterschritten werden sollte.

Die Behandlung sollte mit 2 Retardkapseln zu 20 mg alle 24 h oder 1 Retardkapsel zu 20 mg alle 12 h begonnen werden. Die jeweilige Dosis kann bis zur Schmerzlinderung gesteigert werden.

Die erste Einnahme von Kapanol kann zusammen mit der letzten Dosis von jeder unmittelbar freisetzenden Opioidmedikation erfolgen.

Aufgrund der verzögerten Freisetzung von Kapanol sollten Dosissteigerungen frühestens nach 24 h erwogen werden.

Für Patienten, die laufend Opioide einnehmen, sollten folgende Dosierungsempfehlungen beachtet werden:

Umsteigen von anderen oralen Morphinpräparaten auf Kapanol

Diese Patienten können auf Kapanol umgestellt werden, indem die gesamte Morphintagesdosis als Kapanol verabreicht wird. Die Dosis ist dann dem Bedarf entsprechend anzupassen.

Umstellen von parenteraler Morphin- resp. parenteraler/oraler Opioidanwendung auf Kapanol

Aufgrund der unterschiedlichen individuellen Empfindlichkeit des Patienten sollte zu Beginn der Behandlung zurückhaltend dosiert werden, d.h. der Tagesmorphinbedarf sollte nicht überschätzt werden.

Umstellen von Kapanol auf andere orale Präparate mit retardierter Morphinfreisetzung

Kapanol ist nicht bioäquivalent mit anderen Präparaten mit retardierter Morphinfreisetzung. Die Umstellung von Kapanol auf die gleiche Tagesdosis von anderen Morphinpräparaten kann zu Beginn zu einer Veränderung des klinischen Zustandes des Patienten führen. Die enge Überwachung des Patienten muss daher gewährleistet werden.

Umstellung von Kapanol auf parenterale Opioide

Bei der Umstellung eines Patienten von Kapanol auf die parenterale Anwendung von Opioiden ist eine vergleichsweise höhere Wirkpotenz der parenteralen Darreichungsform zu erwarten.

Die empfohlenen Dosierungen sind Richtwerte. Bei extremen Schmerzzuständen (z.B. Karzinomschmerz) kann hiervon abgewichen werden.

Grundsätzlich sollte eine ausreichend hohe Dosis gegeben werden und gleichzeitig die im Einzelfall kleinste analgetisch wirksame Dosis angestrebt werden.

Bei der Therapie chronischer Schmerzen ist der Dosierung nach festem Zeitplan den Vorzug zu geben.

Substitutionsbehandlung bei Opioidabhängigkeit

Übliche Dosierung

Erwachsene

Opioidabhängige Patienten sind darüber aufzuklären, dass die orale Einnahme die einzig zulässige und sichere Verabreichungsart für Kapanol ist, und sind mit entsprechender Deutlichkeit über die möglichen Folgen eines Missbrauchs zu informieren (siehe «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen»).

Zu Beginn und im Verlauf einer Substitutionsbehandlung soll der zusätzliche Konsum anderer psychotroper Substanzen zur Abschätzung der möglichen Interaktionen und der benötigten Dosierung von Kapanol thematisiert und auf die Gefahren hingewiesen werden (siehe auch «Interaktionen»).

Besonders während der ersten fünf Tage der Therapieeinstellung sollte die Dosiseinnahme engmaschig kontrolliert werden bzw. unter Sicht erfolgen. Ein Therapiebeginn zu Wochenanfang vermeidet den Wochenendunterbruch während der Therapieeinstellung.

Therapiebeginn bei opioidabhängigen Patienten ohne Vorbehandlung

In der Regel empfiehlt es sich, eine erste Substitutionsdosis von 200 mg Kapanol bei opioidabhängigen Patienten zu verabreichen, deren Opioidtoleranz nicht im Rahmen einer vorbestehenden Substitutionsbehandlung gesichert ist.

Wenn weiterhin Entzugssymptome auftreten, kann einmalig eine zusätzliche Dosis von 200 mg Kapanol am gleichen Tag verabreicht werden (Intervall mindestens 6 Stunden, um sicherzustellen, dass die Maximalkonzentration nach der ersten Dosis erreicht ist).

Die Tagesdosis wird anschliessend mittels täglicher Dosissteigerung von 100 mg (beginnend mit einer festen Dosis von 300 mg am zweiten Tag) individuell angepasst, bis das Auftreten von Entzugssymptomen zuverlässig vermieden und das Opioid-Verlangen unterdrückt wird. Die geeignete Tagesdosis beträgt in der Regel 500–800 mg, wobei je nach klinischem Befund erhebliche Abweichungen nach oben oder nach unten möglich sind.

Therapiebeginn bei vorbehandelten opioidabhängigen Patienten

Eine Umstellung von einer laufenden Substitutionsbehandlung mit Methadon auf Kapanol sollte von einem Tag zum anderen im Verhältnis von 1:6–1:8 der letzten Methadondosis erfolgen. (Beispiel: 100 mg Methadon entsprechen 600–800 mg Kapanol).

Bei einer Umstellung von Buprenorphin oder Diamorphin auf Kapanol ist die adäquate Dosierung klinisch zu ermitteln. Die Umstellung kann von einem Tag zum anderen erfolgen.

Bei Bedarf und guter Verträglichkeit ist die Dosis schrittweise bis zur optimalen Tagesdosis anzupassen.

Fortsetzung der Behandlung

Bei stabilisiertem psychischem und physischem Zustand wird die geeignete Dosierung weitergeführt und je nach klinischem Befund angepasst.

Bei Bezugsunterbrüchen von einem Tag ist eine Dosisanpassung nicht erforderlich. Bei längeren Bezugsunterbrüchen ist die nächste Dosis proportional so zu reduzieren, dass nach 5 Tagen Unterbruch eine Initialdosis von 200 mg erreicht wird. Eine schrittweise Dosiserhöhung bis zur optimalen Tagesdosis sollte wie bei einem Therapiebeginn ohne Vorbehandlung erfolgen.

Ist eine Beendigung der Substitutionstherapie vorgesehen, erfolgt diese über Wochen bis Monate durch schrittweise Dosisreduktionen nach Massgabe der Befindlichkeit und eventuell auftretender Entzugsbeschwerden. Dosisreduktionen sollten 10% der aktuellen Tagesdosis nicht überschreiten und erst erfolgen, wenn eventuelle Beschwerden vom vorhergehenden Reduktionsschritt abgeklungen sind (siehe auch «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen»).

Übertragbarkeit

Die Bioäquivalenz verschiedener Morphinpräparate mit kontrollierter Freisetzung ist nicht als sichergestellt zu betrachten. Patienten, die auf eine wirksame Dosis von Kapanol eingestellt sind, sollen deshalb bei einem Wechsel auf ein anderes Produkt mit langsamer, verzögerter oder kontrollierter Freisetzung von Morphin (oder einem anderen stark wirksamen Analgetikum) klinisch überprüft werden. Eine Neuanpassung der Dosierung kann erforderlich sein.

Spezielle Dosierungsanweisungen

Ältere Patienten sowie Patienten mit Nierenfunktionsstörungen

Bei älteren Patienten sowie bei Patienten mit Nierenerkrankungen oder reduziertem Allgemeinzustand sollte die Dosierung individuell angepasst und gegebenenfalls reduziert werden (siehe "Pharmakokinetik").

Patienten mit Leberfunktionsstörungen

Bei Patienten mit stark eingeschränkter Leberfunktion sollte die Dosis reduziert und mit besonderer Vorsicht auftitriert werden (siehe «Pharmakokinetik»).

Kinder und Jugendliche

Schmerzbehandlung

Bei Kindern unter 12 Jahren liegen keine Erfahrungen vor.

Substitutionsbehandlung bei Opioidabhängigkeit

Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren

Es liegen keine Daten zur Unbedenklichkeit und Wirksamkeit von Kapanol zur Substitutionsbehandlung bei opioidabhängigen Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren vor.

Das Patientenalter sollte kein Ausschlusskriterium für eine Substitutionsbehandlung sein. Die Einleitung einer Substitutionsbehandlung entspricht den Empfehlungen für Erwachsene unter vorsichtiger Auftitration und engmaschiger Überwachung.

Absetzen der Therapie

Bei abruptem Absetzen der Gabe von Opioiden kann sich ein Abstinenzsyndrom einstellen. Daher sollte die Dosis vor dem Absetzen schrittweise reduziert werden.

Kontraindikationen

Kapanol darf nicht verabreicht werden bei bekannter Überempfindlichkeit gegenüber Morphin oder einem anderen Bestandteil des Präparates, bei Pankreatitis, Tumor der Nebenniere (wie z.B. Phäochromozytom), obstruktiven Darmerkrankungen insbesondere paralytischem Ileus, akutem Abdomen, akuter Lebererkrankung, vergerter Magenentleerung, Gallenwegserkrankungen, Prostatahypertrophie mit Restharnbildung, niedrigem Blutdruck in Verbindung mit einem verringerten Blutvolumen, Störungen des Atemzentrums und der Atemfunktion, obstruktiver Erkrankung der Atemwege sowie bei Schädel-Hirn-Trauma und Zuständen mit erhöhtem Hirndruck.

Die gleichzeitige Verabreichung von Kapanol und Monoaminooxidase-Hemmern ist kontraindiziert. Mit einer Kapanol-Therapie darf erst 2 Wochen nach Absetzen des MAO-Hemmers begonnen werden.

Patienten mit konvulsiven Störungen / zerebralen Anfallsleiden und akute Alkoholiker sollten von der Behandlung ausgeschlossen werden.

Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen

Kapanol sollte nur mit Vorsicht und in niedrigen Dosen angewendet werden bei älteren oder geschwächten Patienten, Schilddrüsenunterfunktion (Myxödem), Harnröhrenstriktur, Prostatahypertrophie, Nebenniereninsuffizienz (einschliesslich Morbus Addison), Schock, ZNS Depression, toxischer Psychose, Delirium tremens, schwerer Kyphoskoliose und bei Patienten mit bevorstehender Gallenoperation.

Bei Verdacht auf paralytischen Ileus oder bei Auftreten während der Behandlung muss Kapanol sofort abgesetzt werden.

Bei Leber- und Nierenfunktionsstörungen sowie bei verzögerter Magen-Darm-Passage soll Kapanol individuell angepasst und gegebenenfalls die Dosis reduziert werden.

Bei Patienten mit bekannter Überempfindlichkeit gegenüber Opioiden einer anderen Klasse kann es nach Verabreichung von Morphin zu einer Überempfindlichkeitsreaktion kommen. Bei diesen Patienten ist bei der Anwendung von Morphin Vorsicht geboten (siehe „Kontraindikationen“).

Sedierung

Die meisten Patienten, die Morphin erhalten, werden an einer anfänglichen Benommenheit leiden. Übermässige Sedierung (begleitet von Schwanken und Verwirrtheit) oder länger als einige Tage dauernde Sedierung sollte untersucht werden. Dabei sollten folgende Faktoren mit in Betracht gezogen werden: gleichzeitige sedative Medikation, das Bestehen von Leber oder Niereninsuffizienz, Exazerbation einer respiratorischen Insuffizienz, Toleranz gegenüber der Dosis, insbesondere bei älteren Patienten, Schweregrad der Erkrankung und allgemeiner Zustand des Patienten. Falls eine Dosisreduktion von Kapanol vorgenommen wurde und daraufhin der Schmerz nicht ausreichend therapiert ist, kann die Dosis nach einigen Tagen wieder vorsichtig erhöht werden.

Auch bei bestimmungsmässigem Gebrauch von Morphin ist die Fähigkeit zur aktiven Teilnahme am Strassenverkehr und zur Bedienung von Maschinen nicht mehr gegeben.

Interaktion mit Alkohol

Patienten soll von der gleichzeitigen Einnahme von Kapanol Retardkapseln mit Alkohol abgeraten werden, da dies zu einer beschleunigten Morphinfreisetzung und damit zur Resorption einer möglicherweise toxischen Morphindosis führen kann (vgl. „Interaktionen“).

Akutes Thorax-Syndrom (ATS) bei Patienten mit Sichelzellkrankheit (SZK)

Aufgrund eines möglichen Zusammenhangs zwischen ATS und der Anwendung von Morphin bei SZK-Patienten, die während einer vaso-okklusiven Krise mit Morphin behandelt werden, ist eine engmaschige Überwachung auf ATS-Symptome angezeigt.

Nebenniereninsuffizienz

Opioid-Analgetika können eine reversible Nebenniereninsuffizienz verursachen, die eine Überwachung und eine Ersatztherapie mit Glukokortikoiden erfordert. Symptome einer Nebenniereninsuffizienz können z. B. Übelkeit, Erbrechen, Appetitverlust, Erschöpfung, Schwäche, Schwindelgefühl oder niedriger Blutdruck sein.

Verminderte Spiegel von Sexualhormonen und erhöhte Prolaktin-Konzentrationen

Die Langzeitanwendung von Opioid-Analgetika kann mit verminderten Spiegeln von Sexualhormonen und erhöhten Prolaktin-Konzentrationen einhergehen. Zu den Symptomen zählen verminderte Libido, Impotenz oder Amenorrhö.

Schlafbezogene Atmungsstörungen

Opioide können schlafbezogene Atmungsstörungen verursachen, darunter zentrale Schlafapnoe (ZSA) und schlafbezogene Hypoxämie. Die Anwendung von Opioiden erhöht das Risiko einer ZSA in Abhängigkeit von der Dosierung. Bei Patienten mit ZSA ist eine Reduzierung der Opioid-Gesamtdosis in Betracht zu ziehen.

Risiko durch gleichzeitige Anwendung von Sedativa wie Benzodiazepinen oder verwandten Arzneimitteln

Die gleichzeitige Anwendung von Kapanol und Sedativa wie Benzodiazepinen oder verwandten Arzneimitteln kann zu Sedierung, Atemdepression, Koma und Tod führen. Aufgrund dieser Risiken sollte eine gleichzeitige Verordnung mit diesen Sedativa Patienten vorbehalten sein, für die keine alternativen Behandlungsoptionen infrage kommen. Wenn die Entscheidung getroffen wird, Kapanol gleichzeitig mit Sedativa zu verordnen, sollte die niedrigste wirksame Dosis angewendet werden und die Behandlungsdauer so kurz wie möglich sein.

Die Patienten sind engmaschig auf Anzeichen und Symptome einer Atemdepression und Sedierung zu überwachen. Diesbezüglich wird dringend empfohlen, Patienten und ihre Betreuungspersonen anzuweisen, auf diese Symptome zu achten (siehe Rubrik «Interaktionen»).

Thrombozytenhemmung mit oralen P2Y12-lnhibitoren

Eine verminderte Wirksamkeit der P2Y12-Inhibitor-Therapie wurde innerhalb des ersten Tages einer gemeinsamen Behandlung mit P2Y12-lnhibitoren und Morphin festgestellt (siehe Rubrik «Interaktionen»).

Kapanol ist für die orale Einnahme bestimmt. Die Kapseln dürfen weder aufgelöst und injiziert noch inhaliert werden, da dies zu einer sofortigen Freisetzung von Morphin und einer potenziell tödlichen Überdosierung bzw. zu schweren lokalen Reaktionen führen kann.

Um die Retardierung nicht zu beeinträchtigen, darf der Inhalt der Kapseln nicht zerkaut oder zerrieben werden. Die Anwendung eines zerkauten oder zerriebenen Kapselinhaltes führt zu einer schnellen Freisetzung und zur Resorption einer möglicherweise letalen Dosis von Morphin (siehe «Überdosierung»).

Bei Umstellung der Therapie auf eine andere Darreichungsform und/oder ein anderes Arzneimittel mit gleichem Wirkstoff ist Vorsicht geboten. Der Patient sollte adäquat kontrolliert werden (siehe «Dosierung/Anwendung»).

Die Anwendung von Kapanol kann bei Dopingkontrollen zu positiven Ergebnissen führen.

Schmerzbehandlung

Missbrauchspotential

Morphin hat ein Missbrauchspotenzial, das mit dem anderer starker Opioid-Agonisten vergleichbar ist, und sollte bei Patienten mit Alkohol- oder Drogenmissbrauch in der Anamnese mit besonderer Vorsicht angewendet werden.

Abhängigkeit und Entzugssyndrom (Abstinenzsyndrom)

Die Anwendung von Opioid-Analgetika kann mit der Entwicklung von körperlicher und/oder psychischer Abhängigkeit oder Toleranz verbunden sein. Das Risiko steigt mit längerer Anwendungsdauer und höherer Dosierung des Arzneimittels.

Die Symptome können durch Anpassung der Dosis oder der Darreichungsform sowie über das schrittweise Absetzen von Morphin verringert werden (Einzelne Symptome siehe Rubrik «Unerwünschte Wirkungen»).

Hyperalgesie

Insbesondere bei hohen Dosen kann Hyperalgesie auftreten, die nicht auf eine weitere Erhöhung der Morphindosis anspricht. Eine Reduzierung der Morphindosis oder eine Umstellung des Opioids kann erforderlich sein.

Magen-Darm-Trakt

Die prä- und perioperative Verabreichung von Kapanol ist nicht zu empfehlen und stellt keine gesicherte Indikation dar. Daher sollte Kapanol 24 Stunden vor und in den ersten 24 Stunden nach einer Operation nicht verabreicht werden und auch später nur mit Vorsicht, insbesondere nach Operationen im Abdominalbereich.

Kinder und Jugendliche

Da noch zu wenige Erfahrungen vorliegen, darf Kapanol bei Kindern unter 12 Jahren zur Schmerzbehandlung nur in Ausnahmefällen angewendet werden.

Substitutionsbehandlung bei Opioidabhängigkeit

Besondere Risiken bei Patienten unter Substitutionsbehandlung

Der Patient ist darüber aufzuklären, dass der gleichzeitige Konsum von illegalen Opioiden, Benzodiazepinen, Alkohol oder anderen zentral dämpfenden Substanzen oder Arzneimitteln in Anbetracht der Potenzierung der Atemdepression zum Tod durch Atemstillstand führen kann (siehe «Interaktionen»). Informationen über alle früher oder aktuell konsumierten psychotropen Substanzen sowie über alle eingenommenen Arzneimittel sind von grösster Wichtigkeit zur Absctzung von Interaktionen.

Bei der Substitutionsbehandlung ist besonders aufmerksam auf das Auftreten von Überdosierungs- oder Entzugssymptomen zu achten und die Dosierung bei Bedarf entsprechend anzupassen (siehe «Dosierung/Anwendung»).

Nur das Fehlen von Entzugssymptomen erlaubt es dem Patienten, auf zusätzlichen Opioidkonsum zu verzichten.

Bei Beendigung der Substitutionstherapie ist eine langsame Dosisreduktion über Wochen bis Monate angezeigt (siehe «Dosierung/Anwendung»). Der Patient muss über den Toleranzverlust und die erhöhte Gefahr einer Überdosierung bei erneutem Opioidkonsum informiert werden.

Patienten, die sich einem Eingriff während einer Kapanol-Therapie unterziehen müssen, sollten in Abhängigkeit von der Art des Eingriffs und des Anästhesieverfahrens aufgrund der retardierten Eigenschaften von Kapanol postoperativ sorgfältig auf Symptome wie Atemdepression überwacht werden.

Gleichzeitige Substitutions- und Schmerzbehandlung

Schmerzen sind grundsätzlich nach dem WHO-Schema zu behandeln. Aufgrund der Kreuztoleranz für die analgetische Wirkung von Opioiden müssen solche zur Erreichung der Schmerzfreiheit meist oft und in einer hohen Dosierung verabreicht werden. Die Substitutionsdosierung soll beibehalten und nicht reduziert werden.

Abhängigkeitsstörungen können eine Hyperalgesie begünstigen.

Interaktionen

Die gleichzeitige Anwendung von Morphin und anderen zentral dämpfend wirksamen Medikamenten oder Alkohol kann zu einer Verstärkung der Nebenwirkungen von Morphin, insbesondere der Atemdepression, führen.

Sedativa wie Benzodiazepine oder verwandte Arzneimittel

Die gleichzeitige Anwendung von Opioiden mit Sedativa wie Benzodiazepinen oder verwandten Arzneimitteln erhöht aufgrund einer additiven, das ZNS dämpfenden Wirkung das Risiko für Sedierung, Atemdepression, Koma und Tod. Die Dosis und die Dauer der gleichzeitigen Anwendung sollte begrenzt sein (siehe «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen»).

Durch Morphin kann die Wirkung von Muskelrelaxantien verstärkt werden.

Morphin potenziert zudem die Wirkungen von Anästhetika, Hypnotika, Sedativa und Alkohol.

Morphin reduziert die Wirkung von Diuretika durch Freisetzung von Vasopressin (Antidiuretische Hormon (ADH)).

Morphin kann auch zu akuter Harnretention führen, indem es einen Spasmus des Blasensphinkters verursacht, speziell bei Männern mit benigner Prostatahyperplasie.

Über eine Einwirkung auf das Cytochrom P450-System, z.B. durch Cimetidin, erfolgt eine Hemmung des Morphinabbaus, die zu höheren Plasmakonzentrationen führt.

Bei Vormedikation von Patienten mit MAO-Hemmern innerhalb der letzten 14 Tage vor der Opiatverabreichung sind mit Pethidin lebensbedrohende Wirkungen auf das Zentralnervensystem und auf die Atem- und Kreislauffunktionen beobachtet worden. Diese Interaktion ist mit Morphin nicht auszuschliessen.

Rifampicin

Die Morphin-Plasmakonzentrationen können durch Rifampicin reduziert werden. Die analgetische Wirkung von Morphin sollte während und nach der Behandlung mit Rifampicin überwacht und die Dosierungen von Morphin angepasst werden.

Orale P2Y12-lnhibitoren

Bei Patienten mit akutem Koronarsyndrom, die mit Morphin behandelt wurden, wurde eine verzögerte und verringerte Exposition gegenüber oralen P2Y12-Inhibitoren zur Thrombozytenhemmung beobachtet. Diese Wechselwirkung könnte mit einer verminderten gastrointestinalen Motilität zusammenhängen und besteht auch bei anderen Opioiden. Die klinische Relevanz ist nicht bekannt, aber Daten zeigen das Potenzial für eine verminderte Wirksamkeit von P2Y12-Inhibitoren bei Patienten, denen Morphin und ein P2Y12-lnhibitor gleichzeitig verabreicht wurde (siehe «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen»). Bei Patienten mit akutem Koronarsyndrom, bei denen auf den Einsatz von Morphin nicht verzichtet werden kann und eine schnelle P2Y12-Hemmung als entscheidend erachtet wird, kann der Einsatz eines parenteralen P2Y12-lnhibitors erwogen werden.

In vivo-Daten weisen darauf hin, dass Johanniskraut (Hypericum perforatum) das Cytochrom P450 3A4 induzieren kann. Es besteht die theoretische Möglichkeit, dass bei gleichzeitiger Gabe von Johanniskraut sich der Plasmaspiegel von Morphinsulfat erniedrigen und nach dem Absetzen wieder erhöhen kann.

In vitro-Daten weisen darauf hin, dass das Vorhandensein von Alkohol im Gastrointestinaltrakt die Freisetzung von Morphin aus den Retardpellets der Kapseln beschleunigt (vgl. „Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen“).

Schwangerschaft, Stillzeit

Schwangerschaft

Morphin passiert die Plazentaschranke. Im Tierversuch mit Morphin in hohen Dosen ergaben sich Hinweise auf eine Schädigung der Nachkommen (siehe „Präklinische Daten”). Beim Menschen liegen keine ausreichenden Daten vor, die die abschliessende Bewertung eines möglichen teratogenen Risikos erlauben würden. Beim Menschen besteht möglicherweise eine Assoziation mit einer erhöhten Prävalenz für Inguinalhernien.

Morphin kann zudem, vor oder während der Geburt gegeben, die Kontraktionsfähigkeit des Uterus hemmen oder die Wehen durch verstärkte Dilatation des Gebärmutterhalses verkürzen. Beim Neugeborenen kann es zu Atemdepression führen, da Morphin die Plazenta passiert. Neugeborene, deren Mütter unter der Geburt mit Opioidanalgetika behandelt wurden, sind engmaschig auf Zeichen einer Atemdepression zu überwachen. Neugeborene, deren Mutter während der Schwangerschaft Opioid-Analgetika erhalten haben, sollten auf Anzeichen eines neonatalen Entzugs (Abstinenzsyndrom) überwacht werden. Die Behandlung kann ein Opioid und unterstützende Behandlung umfassen.

Kapanol darf daher in der Schwangerschaft nur angewendet werden, wenn der Nutzen für die Mutter das Risiko für das Kind klar überwiegt. Aufgrund potenzieller reproduktionstoxikologischer Eigenschaften von Morphin beim Menschen sollte es Männern und Frauen im zeugungs- und gebärfähigen Alter nur dann verabreicht werden, wenn eine wirksame Verhütung sichergestellt ist.

Substitutionsbehandlung bei Opioidabhängigkeit

Für die Substitutionsbehandlung während der Schwangerschaft sind die Empfehlungen der Schweizerischen Gesellschaft für Suchtmedizin zu beachten. Eine Dosisanpassung von Kapanol kann notwendig sein, um bei Schwangeren Entzugssymptome zu vermeiden und möglichst stabile Morphin-Plasmaspiegel aufrechtzuerhalten.

Stillzeit

Morphin wird mit der Muttermilch ausgeschieden, in der höhere Konzentrationen als im mütterlichen Blutplasma erreicht werden können. Da wirksame Morphin-Plasmakonzentrationen beim Säugling erreicht werden können, bedarf die Behandlung mit Kapanol während des Stillens einer sehr sorgfältigen Nutzen-Risiko-Evaluation.

Fertilität

Zur Beurteilung des potenziellen Risikos von Morphin auf die Fertilität beim Menschen liegen keine hinreichenden Daten vor. Ein Zusammenhang zwischen Opioideinnahme und negativ beeinflussten Fertilitätsparametern (inklusive Chromatinschäden) kann jedoch nicht ausgeschlossen werden. In tierexperimentellen Studien wurde gezeigt, dass Morphin die Fertilität reduzieren kann (siehe «Präklinische Daten»).

Amenorrhö, verminderte Libido und erektile Dysfunktion wurden als mögliche unerwünschte Wirkungen von Morphin beschrieben (siehe «Unerwünschte Wirkungen»). Den Patienten sollte erklärt werden, dass selbst bei Amenorrhö das Risiko einer Schwangerschaft besteht und dass aus diesem Grund eine wirksame Verhütung erforderlich ist.

Wirkung auf die Fahrtüchtigkeit und auf das Bedienen von Maschinen

Morphin kann die mentale und/oder physische Fähigkeit, die für potenziell risikoreiche Aktivitäten wie Fahren eines Autos oder Bedienen von Maschinen benötigt wird, beeinflussen. Die Patienten sollten darauf aufmerksam gemacht werden.

Unerwünschte Wirkungen

Die Häufigkeitsangaben bei den Nebenwirkungen beruhen auf folgender Klassifizierung: sehr häufig“ (>1/10), „häufig“ (>1/100, <1/10), „gelegentlich“ (>1/1’000, <1/100), „selten“ (>1/10’000, <1/1’000), „sehr selten“ (<1/10’000).

Für dieses Produkt steht kein modernes klinisches Dokumentationsmaterial zur Verfügung, das zur Ermittlung der Häufigkeit von unerwünschten Wirkungen herangezogen werden könnte.

Erkrankungen des Immunsystems
Selten: Überempfindlichkeitsreaktionen einschliesslich Anaphylaxie und anaphylaktoide Reaktionen.

Psychiatrische Erkrankungen
Häufig: Dysphorie, Euphorie und Halluzinationen.
Häufigkeit nicht bekannt: Abhängigkeit, Angst.

Erkrankungen des Nervensystems
Sehr häufig: Sedierung, Benommenheit, Schwindel, Schwanken.
Häufig: Kopfschmerz.
Häufigkeit nicht bekannt: Allodynie, Hyperalgesie, Hyperhidrose, Schlafapnoe-Syndrom.

Augenerkrankungen
Häufig: verschwommenes Sehen, Diplopie, Miosis.

Herzerkrankungen
Häufig: Bradykardie, Herzklopfen.

Gefässerkrankungen
Häufig: orthostatische Hypotonie, Hypotonie, Gesichtsrötung.

Schwindelgefühl und Schwanken können in Begleitung von Morphin-induzierter orthostatischer Hypotonie auftreten, insbesondere bei älteren oder geschwächten Patienten. Die Dosis sollte dem individuellen Bedarf entsprechend eingestellt werden, doch kann bei Patienten im Alter über 50 Jahren wegen der reduzierten Clearance eine niedrigere Dosis erforderlich sein.

Erkrankungen der Atemwege, des Brustraums und Mediastinums
Gelegentlich: Atemdepression.

Erkrankungen des Gastrointestinaltrakts
Sehr häufig: Übelkeit, Erbrechen, gastrische Stase, Obstipation und Mundtrockenheit.
Häufig: Koliken, Anorexie.

Übelkeit und Erbrechen treten häufig auf nach der Gabe einer Einzeldosis Morphin oder als frühe unerwünschte Wirkung einer regelmässigen Opioidtherapie. Die Verschreibung eines geeigneten Antiemetikums ist in Betracht zu ziehen. Die Häufigkeit von Übelkeit und Erbrechen nimmt üblicherweise innerhalb von ungefähr einer Woche ab, kann aber wegen einer Opioid-induzierten gastrischen Stase auch bestehen bleiben. Bei diesen Patienten erweist sich Metoclopramid häufig als hilfreich.

Obstipation: Praktisch alle Patienten leiden bei chronischer Einnahme von Opioiden an Obstipation. Bei manchen Patienten, insbesondere älteren, geschwächten oder bettlägerigen Menschen, kann dies Auswirkungen haben. Die Patienten müssen dementsprechend informiert werden. Die Gabe von Laxantien, stuhlaufweichenden Mitteln, sowie andere geeignete Massnahmen sollten zu Beginn der Opioidtherapie eingeleitet werden.

Erkrankungen der Haut und des Unterhautgewebes
Häufig: Pruritus.

Erkrankungen der Nieren und Harnwege
Sehr häufig: Störungen bei der Blasenentleerung, Harnretention.

Erkrankungen der Geschlechtsorgane und der Brustdrüse
Häufigkeit nicht bekannt: Amenorrhö, verminderte Libido, Erektionsstörungen.

Allgemeine Erkrankungen
Häufig: Schüttelfrost.
Häufigkeit nicht bekannt: Entzugserscheinungen (Abstinenzsyndrom).

Über folgende unerwünschte Wirkungen wurde bei Morphinsulfat ebenfalls berichtet. Bezüglich Ihrer Häufigkeiten ist keine Information aus der Literatur abzuleiten, daher können hier keine Häufigkeiten angegeben werden.

Endokrine Erkrankungen: Syndrom der inadäquaten ADH-Sekretion (SIADH). Das Syndrom geht aufgrund einer verminderten Wasserausscheidung mit einer Hyponatriämie einher (Überwachen der Elektrolyte kann notwendig sein).

Psychiatrische Erkrankungen: Verwirrungssymptome, Schlaflosigkeit.

Erkrankungen des Nervensystems: Mattigkeit, Synkope, Nystagmus.

Herzerkrankungen: Herzstillstand, Tachykardie.

Gefässerkrankungen: Bluthochdruck, Kreislaufdepression, Schock.

Erkrankungen der Atemwege, des Brustraums und Mediastinums: Apnoe, Atemstillstand, Laryngospasmus.

Erkrankungen des Gastrointestinaltrakts: Geschmacksveränderungen.

Leber- und Gallenerkrankungen: Gallenkoliken

Erkrankungen der Haut und des Unterhautgewebes: Urtikaria, andere Hautausschläge.

Allgemeine Erkrankungen: Ödem, Schwächegefühl.

Substitutionsbehandlung bei Opioidabhängigkeit

Die Häufigkeit der unerwünschten Wirkungen ist abhängig von der Dosierung und der Toleranzentwicklung. In einer prospektiven, randomisierten, offenen Nichtunterlegenheitsstudie zur Substitutionsbehandlung opioidabhängiger Patienten waren die häufigsten unerwünschten Wirkungen:

Psychiatrische Erkrankungen
Sehr häufig: Stimmungsschwankungen (12%).
Häufig: Agitiertheit, Depression, Schlafstörungen.

Erkrankungen des Nervensystems
Sehr häufig: Kopfschmerzen (19%).
Häufig: Schwindel.

Herzerkrankungen
Häufig: Palpitationen.

Erkrankungen der Atemwege, des Brustraums und Mediastinums
Häufig: Dyspnoe.

Erkrankungen des Gastrointestinaltrakts
Sehr häufig: Mundtrockenheit (16%), Obstipation (16%), Übelkeit (16%), Erbrechen (10%).
Häufig: abdominale Schmerzen, Diarrhö.
Gelegentlich: Ileus.

Erkrankungen der Haut und des Unterhautzellgewebes
Sehr häufig: Hyperhidrosis (20%).
Häufig: Pruritus.

Skelettmuskulatur-, Bindegewebs- und Knochenerkrankungen
Häufig: Rückenschmerzen.

Erkrankungen der Nieren und Harnwege
Häufig: Pollakisurie.

Allgemeine Erkrankungen
Sehr häufig: Arzneimittelentzugssyndrom (11%).

Arzneimittelabhängigkeit und Entzugserscheinungen (Abstinenzsyndrom)

Die Anwendung von Opioid-Analgetika kann mit der Entwicklung von körperlicher und/oder psychischer Abhängigkeit oder Toleranz einhergehen. Wenn die Gabe von Opioiden abrupt abgesetzt wird oder eine Gabe von Opioid-Antagonisten erfolgt, kann ein Abstinenzsyndrom ausgelöst werden; es kann in manchen Fällen auch zwischen den Dosen auftreten.

Zu den körperlichen Entzugssymptomen gehören: Körperschmerzen, Tremor, Restless Legs-Syndrom, Diarrhö, Bauchkolik, Übelkeit, grippeähnliche Symptome, Tachykardie und Mydriasis. Psychische Symptome sind unter anderem dysphorische Stimmung, Angst und Reizbarkeit. Arzneimittelabhängigkeit geht häufig mit ,,Drogenhunger" einher.

Behandlungsempfehlungen, siehe Rubrik «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen».

Die Meldung des Verdachts auf Nebenwirkungen nach der Zulassung ist von grosser Wichtigkeit. Sie ermöglicht eine kontinuierliche Überwachung des Nutzen-Risiko-Verhältnisses des Arzneimittels. Angehörige von Gesundheitsberufen sind aufgefordert, jeden Verdacht einer neuen oder schwerwiegenden Nebenwirkung über das Online-Portal ElViS (Electronic Vigilance System) anzuzeigen. Informationen dazu finden Sie unter www.swissmedic.ch.

Überdosierung

Symptome

Eine akute Morphinüberdosierung ist gekennzeichnet durch Miosis, Atemdepression, Schläfrigkeit, Bewusstseinsstörungen, verminderter Muskeltonus und Darmatonie, kalte und feuchte Haut, Blutdruckabfall, Bradykardie. Koma, Atemstillstand und nicht-kardiogenes Lungenödem können in schweren Fällen vorkommen.

Es kann zu Todesfällen aufgrund von Atemversagen kommen.

Aspirationspneumonie.

Substitutionsbehandlung bei Opioidabhängigkeit

In der substitutionsgestützten Behandlung können Mischintoxikationen u.a. mit Benzodiazepinen, Alkohol und Kokain auftreten, die die typischen Symptome einer Morphin-Intoxikation verschleiern können. Aus diesem Grund muss bei der Abklärung auf die Symptome geachtet werden.

Behandlung

Überwachung von Atmung und Bewusstsein, bei klinisch signifikanter Atem- oder ZNS-Depression: künstliche Beatmung, Stabilisieren des Kreislaufs und Gabe von Naloxon.

Dosierung: 0,4–2 mg Naloxon intravenös (Kinder: 0,01 mg/kg Körpergewicht). Falls notwendig 2–3× jeweils nach 2–3 Minuten wiederholen oder als Dauerinfusion verabreichen (siehe entsprechende Fachinformation).

In der substitutionsgestützten Behandlung kann es vorkommen, dass aufgrund schlechter oder kollabierter Venen eine intramuskuläre Applikation notwendig ist.

Die Wirkungsdauer von Naloxon ist relativ kurz (Plasmahalbwertszeit: t½ Naloxon = 1–1,5 Stunden, t½ Morphin = 2–4 Stunden), zudem besteht eine protrahierte Wirkstoffabgabe bei Kapanol. Der Patient ist deshalb auch nach Naloxon-Gabe längerfristig zu überwachen und wiederholte Naloxon-Gaben können notwendig sein.

Naloxon sollte mit Vorsicht bei Personen verwendet werden, die möglicherweise einen Langzeitgebrauch mit Opioiden (Toleranz) aufweisen. Eine abrupte oder vollständige Aufhebung der Opioidwirkung kann zu einem akuten Entzugssyndrom führen. Empfohlen wird eine Initialdosis von 0,04 mg Naloxon.

In speziellen Situationen kann eine primäre Dekontamination mit Aktivkohle in Erwägung gezogen werden.

Ferner können Massnahmen zum Schutz vor Wärmeverlusten und eine ausreichende Flüssigkeits- und Elektrolytenzufuhr erforderlich sein.

Es ist zu beachten, dass die im Magen-Darmtrakt zurückbleibenden Kapanol Pellets noch bis zu 12 Stunden Morphin freisetzen können.

Das weitere Vorgehen richtet sich nach den klinischen Erfordernissen bzw., sofern verfügbar, nach den Empfehlungen des jeweiligen toxikologischen Informationszentrums.

Eigenschaften/Wirkungen

ATC-Code

N02AA01

Wirkungsmechanismus

Morphin ist ein Phenantren-Alkaloid aus Schlafmohn (Papaver somniferum) mit opiatagonistischen Eigenschaften. Morphin zeigt eine ausgeprägte Affinität gegenüber m-Rezeptoren und eine geringere Affinität gegenüber k- Rezeptoren.

Opiat-Rezeptoren finden sich auf verschiedenen Ebenen des ZNS, aber auch in verschiedenen peripheren Geweben. Die analgetische und schmerzdistanzierende Wirkung wird über die im ZNS liegenden supraspinalen m- und spinalen k-Rezeptoren vermittelt.

Pharmakodynamik

Wirkungen auf das Zentralnervensystem

Morphin wirkt analgetisch, antitussiv, sedierend, tranquillisierend, atemdepressiv, miotisch, antidiuretisch, emetisch und antiemetisch (Späteffekt) und geringfügig Blutdruck und Herzfrequenz senkend.

Weitere pharmakologische Wirkungen

Über periphere Opioid-Rezeptoren unterstützt Morphin die analgetische Wirkung, bewirkt eine Reduktion der Motilität und Erhöhung des Tonus der glatten Muskulatur des Gastrointestinaltraktes (spastische Obstipation), Kontraktion der Sphinkteren der Gallenwege, Steigerung des Tonus der Harnblasenmuskulatur und des Blasenschliessmuskels, Verzögerung der Magenentleerung durch Pyloruskonstriktion, Hautrötung, Urtikaria und Juckreiz durch Histaminfreisetzung, bei Asthmatikern Bronchospasmus, oder hormonelle Veränderungen (siehe «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen»).

Klinische Wirksamkeit

Substitutionsbehandlung bei Opioidabhängigkeit

In einer prospektiven, randomisierten, offenen Nichtunterlegenheitsstudie mit Cross-over-Design, an der 276 Suchtpatienten (ITT) mit Methadon-Vortherapie teilnahmen, wurde orales retardiertes Morphin mit oralem Methadon verglichen. Der primäre Endpunkt war der Anteil an positiven Urinproben bezüglich Opioid-Beikonsum pro Patient für jede der Behandlungsphasen. Der Anteil an positiven Urinproben bezüglich Opioid-Beikonsum war signifikant geringer unter der oralen Morphin-Therapie (26.6%) verglichen mit Methadon (45.4%) (Unterschied im Durchschnitt 18.8%, CI 95% min. 23.8%; max. 13.8%; p<0,0001, Per-Protokoll-Population [n = 157]).

Der Anteil an positiven Urinproben bezüglich Heroin-Beikonsum war unter der oralen Morphin-Therapie numerisch grösser (20.2%) verglichen mit Methadon (15.1%). Der Unterschied betrug im Durchschnitt +5.13%, der obere Grenzwert des 95% CI lag mit 8.1% noch links vom prädefinierten Grenzwert von 10%, was die Nicht-Unterlegenheit von retardiertem oralem Morphin zu Methadon belegte (Per-Protokoll-Population [n= 157]).

Während der Therapie mit retardiertem oralem Morphin wurde ein signifikant geringeres Verlangen nach Heroin beobachtet als während der Behandlung mit Methadon (p<0,0001). Die Therapie mit retardiertem oralem Morphin führte zu einer signifikant höheren Patientenzufriedenheit mit der Behandlung verglichen mit Methadon (p<0,0001).

Pharmakokinetik

Absorption

Morphin wird nach oraler Gabe rasch vorwiegend aus dem oberen Dünndarm und geringfügig auch aus dem Magen resorbiert.

Die geringe Bioverfügbarkeit von 20-40% ist auf einen ausgeprägten First-pass-Effekt zurückzuführen. Das Ausmass der Resorption (AUC-Werte) von Morphin nach oraler Gabe von Kapanol ist vergleichbar mit einer Morphinlösung oder mit Retardtabletten, jedoch ist die Resorptionsgeschwindigkeit aus Kapanol bedeutend langsamer.

Nach einer Einzeldosis einer 50 mg Retardkapsel Kapanol beträgt die durchschnittliche maximale Plasmakonzentration (Cmax) 8,1 ng/ml nach 8,5 h (tmax). Das Ausmass der Resorption wird durch Nahrungsaufnahme nicht beeinflusst. Die nach einer fetthaltigen Mahlzeit geringfügig verlangsamte Resorptionsrate (tmax ca. 10 h) ist klinisch nicht relevant, so dass die Einnahme von Kapanol unabhängig von den Mahlzeiten erfolgen kann.

Bei Gabe von Kapanol nach einem festen Dosierungsschema wird der Steady-State innert 2 Tagen erreicht.

Verglichen mit äquivalenten Gesamttagesdosen einer 4-stündlich verabreichten Morphinlösung oder einer 2x täglich verabreichten Retardtablette resultiert die 2x tägliche Anwendung von Kapanol im Steady-State in durchschnittlich niedrigeren maximalen Plasmaspiegeln (Cmax) und höheren minimalen Plasmaspiegeln (Cmin).

Morphin wird zu ca. 30-35% an Plasmaproteine, bevorzugt an Albumin gebunden.

Distribution

Das Verteilungsvolumen von Morphin nach intravenösen Einzeldosen von 4 - 10 mg liegt zwischen 1,0-4,7 l/kg. Morphin überwindet die Bluthirnschranke. Hohe Gewebekonzentrationen findet man in der Leber, Niere, Lunge, Milz, im Gastrointestinaltrakt und im Muskel. Morphin passiert die Plazentaschranke und geht in die Muttermilch über.

Metabolismus

Morphin wird vorwiegend in der Leber, aber auch im Darmepithel metabolisiert. Der wesentliche Schritt ist die Glucuronidierung der phenolischen Hydroxylgruppe mittels hepatischer UDP-Glucuronyltransferase und N-Demethylierung.

Hauptmetabolite sind in erster Linie das Morphin-3-glucuronid und in geringerer Menge Morphin-6-glucuronid. Ausserdem entstehen u.a. Sulfatkonjugate sowie oxidative Stoffwechselprodukte wie Normorphin, Morphin-N-Oxid und ein in 2-Stellung hydroxyliertes Morphin. Die Halbwertszeit der Glucuronide ist erheblich länger als die des freien Morphins. Das Morphin-6-glucuronid ist biologisch wirksam. Es ist möglich, dass eine verlängerte Wirkung bei Patienten mit Niereninsuffizienz auf diesen Metaboliten zurückzuführen ist.

Elimination

Im Harn werden nach oraler ebenso wie nach parenteraler Applikation um 80% des verabreichten Morphins wiedergefunden (10% unverändertes Morphin, 4% Normorphin und 65% Glucuronide, davon M-3-G:M-6-G = 10:1). Die Eliminationshalbwertszeit von Morphin unterliegt grossen interindividuellen Schwankungen. Sie liegt nach parenteraler Gabe durchschnittlich zwischen 1,7 h und 4,5 h, gelegentlich wurden auch Werte um 9 h gemessen. Etwa 10% der Morphinglucuronide werden über die Galle mit den Faeces ausgeschieden.

Ein geringer Teil dieser Glucuronide werden im Dünndarm hydrolysiert und wieder resorbiert (enterohepatischer Kreislauf).

Kinetik spezieller Patientengruppen

Es ist bekannt, dass bei älteren Patienten der Morphin-Metabolismus verlangsamt sein kann, so dass höhere Maximalkonzentrationen und längere Halbwertszeiten resultieren.

Bei Patienten mit Niereninsuffizienz ergeben sich eine erhöhte Plasma-AUC, verminderte Clearance und längere Halbwertszeiten für Morphin-6-Glucuronid, einen biologisch wirksamen Metaboliten des Morphins.

Patienten mit Leberzirrhose weisen eine verminderte Glucuronidierung und Clearance sowie eine verlängerte Plasma-Halbwertszeit von Morphin auf. Ebenso ist im Plasma das Verhältnis von M3G und M6G zu Morphin erniedrigt, was auf eine verminderte metabolische Aktivität hinweist.

Präklinische Daten

Mutagenität

Morphinsulfat ist aufgrund der Ergebnisse von mehreren in vivo- und in vitro-Mutagenitätstests in Zellen nicht-menschlichen und menschlichen Ursprungs inklusive Keimzellen als mutagen wirkende Substanz anzusehen.

Karzinogenität

Langzeituntersuchungen am Tier auf ein kanzerogenes Potenzial von Morphin liegen nicht vor.

Reproduktionstoxikologie

Im Tierversuch hat sich gezeigt, dass hohe Morphindosen reproduktionstoxische Effekte haben können. Die Behandlung von männlichen Tieren mit Morphin führte zu unerwünschten Wirkungen auf die Fertilität (erhöhte Raten von Scheinschwangerschaften, Implantationsstörungen). Die Behandlung von trächtigen Weibchen mit Morphin ging mit einem erhöhten Absterben von Feten und Neugeborenen, fetaler Wachstumsverzögerung, Exenzephalie, skelettalen Defekten, Störungen der Spermatogenese der männlichen Nachkommen sowie Veränderungen des Verhaltens und der Entwicklung des zentralen Nervensystems bei den Nachkommen einher. Bei männlichen Ratten wurde über reduzierte Fertilität und Chromosomenschäden in Keimzellen berichtet.

Sonstige Hinweise

Haltbarkeit

Das Arzneimittel darf nur bis zu dem auf der Packung mit "EXP" bezeichneten Datum verwendet werden.

Besondere Lagerungshinweise

Kapanol Retardkapseln sind unter 30°C (Blister) respektive bei 15 - 25°C (Flaschen), vor Licht geschützt und trocken aufzubewahren.

Zulassungsnummer

53'842 (Swissmedic)

Packungen

Kapanol 20 mg Retardkapseln: 60 (Blister), 100 (Flasche, Spitalpackung) [A+]
Kapanol 50 mg Retardkapseln: 60 (Blister), 100 (Flasche, Spitalpackung) [A+]
Kapanol 100 mg Retardkapseln: 60 (Blister), 50 (Flasche, Spitalpackung) [A+]

Zulassungsinhaberin

Lipomed AG
Fabrikmattenweg 4
4144 Arlesheim

Stand der Information

August 2021